Gefährdung der Kompostqualität

Komposte und Gärprodukte aus Bioabfällen unterliegen zunächst den abfallrechtlichen und den düngerechtlichen Bestimmungen. Darüber hinaus unterliegen die Hersteller in der Regel der RAL-Gütesicherung Kompost oder Gärprodukt (derzeit rund 600 Produktionsanlagen). Die Gütesicherung enthält u.a. Grenzwerte für Anteile an optisch auffälligen Fremdstoffen. Dazu zählen auch Bestandteile von Biokunststoffen, die in den Fertigprodukten noch enthalten sein können. Wird der Grenzwert nicht eingehalten, wird das Gütezeichen entzogen. Die damit verbundenen Nachteile für die Vermarktung des Düngemittels sowie der Verlust der mit der Gütesicherung verbundenen Privilegien nach der Bioabfallverordnung stehen in keinem Verhältnis zu eventuellen Vorteilen der Verwertung von BAW über die Bioabfallbehandlung. Die Bedenken können durch die Kompostierbarkeitsprüfung von BAW nicht wirklich ausgeräumt werden. Die Prüfung der "Kompostierbarkeit" von Biokunststoffen nach DIN EN 13432 wird unter Bedingungen durchgeführt, die auf viele Kompostierungsanlagen nicht und auf Vergärungsanlagen überhaupt nicht zutreffen. Kompostierbar nach EN 13432 heißt, dass in 10 Wochen 90 % des Biokunststoffes abgebaut sein müssen. Nach der amerikanischen Norm ASTM D-6400 müssen Biokunststoffe in 25 Wochen sogar nur zu 60 % abgebaut sein, um als 'kompostierbar' zu gelten. Bei vielfach üblichen Rottezeiten von 4 bis 12 Wochen liegt auf der Hand, dass mit einer generellen Zuweisung kompostierbarer BAW zur Biotonne Risiken verbunden sind, die Betreiber von Bioabfallbehandlungsanlagen nicht eingehen können.Aus vorgenannten Gründen hat sich die Bundesgütegemeinschaft Kompost in 2010 aus der Kompostierbarkeits- Zertifizierung nach EN 13432 (Kompostierbarkeitszeichen) zurückgezogen und ihre langjährige Mitarbeit in den damit verbundenen Gremien niedergelegt.